20.07.2016, 12.50 (ChrisHie)

Pierre Bourdieus Studie Die feinen Unterschiede – ein sozialwissenschaftlicher Klassiker – war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung (1979, deutsch 1982) so plausibel, weil sie die Erfahrungen von Bildungsaufsteigern bestätigte. Inzwischen sind ihre Ergebnisse historisch: Nicht mehr allein die Demonstration eines „guten Geschmacks“, sondern Wissen über unterschiedliche kulturelle Bereiche, darunter Jugendkultur und Trash, zeichnet die gebildete Klasse gegenwärtig eher aus: Christine Resch zeichnet in ihrer Untersuchung diese historischen Veränderungen nach. Dazu wählt sie bei der Untersuchung von Wohnungsdekoration und -einrichtung als Zugang die Geschichten, die die Leute zu den Einrichtungsgegenständen erzählen. Dabei zeigt sich: Kulturelle Praktiken haben (auch) ein Geschlecht. Und es zeigt sich, dass die ästhetischen Normen bekannt sind, im groben wie im feinen, man sich aber nicht besonders darum kümmert: Widerständigkeit gegen Kulturindustrie könnte man das auch nennen.

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Christine Resch:
Schöner wohnen: Zur Kritik von Bourdieus "feinen Unterschieden"
broschiert, 185 Seiten
2012: Verlag Westfälisches Dampfboot
ISBN: 9783896919069
24,90 €
(gebundener Ladenpreis)

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